Witzig und Kraus kotzen sich aus – Undercover im August

Alter, wir sind ja so Szene!

 

Heute behandlen wir einmal ein Thema, welches uns schon lange irgendwie auf den Senkel geht und das man irgendwie nur schwer in Worte fassen kann: Szene. Oder auch die Leute, welche ebenjene ausmachen. Zitieren wir mal Wikipedia (gekürzt):

 

Wortherkunft:
In der Bedeutung von „dort wo sich etwas abspielt“ für subkulturelle Kreise und deren Aktivität. Eng verbunden ist der Begriff mit dem Anglizismus „Insider“ (engl. für Mitglied, Zugehöriger, Eingeweihter) „Beteiligter an einer Szene“ − wörtlich: „Der, der innerhalb ist‘.
Heutige Begriffsverwendung:
In der Regel (aber nicht immer) werden nur solche Subkulturen als „Szene“ bezeichnet, die eine Minderheiten-Kultur in der jeweiligen Gesellschaft darstellen, die ein Wir-Gefühl und über das gemeinsame Interesse hinausgehende kulturelle Merkmale entwickelt haben.

Und eben genau da fallen uns immer wieder Dinge auf, die auf uns irgendwie befremdlich wirken. Nehmen wir also mal die Münchner „Szene“. Welche genau? Die „Schickimickis“? Die „Clubstyler und Stilpolizisten“? Den „Underground“? Wo fängt was an, wo hört was auf? Die Süddeutsche hat kürzlich einmal etwas sehr schönes geschrieben; es ging um neue Läden in der Stadt und hier zitieren wir den Artikel zur Blumenbar:

„…Dazu tanzen jede Menge Vollbärte, Nerd-Brillen und um den Hals drapierte Schals. Die betonte Individualität der Besucher wird in der Blumenbar jedoch schnell zum Mainstream, die Accessoires der Alternativ-Intellektuellen gehören zur Standardausrüstung. Auffallen wird schwierig“

Schöner hätten wir es nicht schreiben können: Gerade die Stilpolizei und coole Clubszene ist derart individuell und einzigartig im jeweiligen Musik- und Klamottengeschmack, dass die einzelnen superstylischen Superszenegänger mit ihren stylischen Superstyleklamotten zu einem einzigen grauen Einheitsbrei verschwimmen. Quasi Mainstream, aber so etwas darf man zu einem Superszenegänger niemals sagen. Mainstream? Du redest von Paul Kalkbrenner? Pfft, den hör ich schon laaaaaange nimmer, der ist ja wie der Guetta, igitt!

Dass sowohl der Guetta wie der Kalkbrenner mal wirklich von unten, also aus dem „Underground“ gekommen sind interessiert schon lange niemanden mehr; es gilt die Regel: Sobald ein Künstler mal als drei Alben verkauft hat, ist er für den Superstyler ein scheiss Kommerztyp. Und auch nicht mehr „real, Alter!“

Da wird dann lieber im stylischen Facebookprofil ein stylisches Foto aus einer stylischen Bar gepostet, welches einen Zettel an einer DJ-Kanzel zeigt auf welchem steht: „Wer Guetta spielt wird hinter dem Club verscharrt“ und alle 2500 Superstylerfreunde kommentieren drunter „Word!“ oder „Genau!“ oder „Drecks Guetta“; aber erst nachdem sie ihre wohlsortierte, zusammengeklaute Guetta-Remixsammlung von 2007 von der Festplatte löschen. Ist ja noch auf der Backup-Platte, falls er doch mal wieder cool wird.

Und wenn es dann mal langweilig wird, dann kann man immer noch in stylischen Technoforen diskutieren; Themen gibt es derer genug: „Ich hasse diese Wannabe-Technokids“, oder „Ich höre schon seit 1962 Techno und du bist ein Loser“ und so weiter. Scheinbar geht es auch hier immer um „real“ und „wo ich bin ist Szene“. Nur leider darf niemand neues diese Szene betreten oder auch die Musik gut finden; sonst wird´s halt wieder Mainstream und der Künstler damit dann automatisch Kommerz und die Musik automatisch scheisse und an sich müsste hinter jedem Superszeneladen schon ein gewaltiger Friedhof sein.

Nur beim Sven Väth, da sind sie sich alle einig, der ist real. Zwar muss dann zähneknirschend hingenommen werden, dass auch andere Menschen die Musik gut finden; allerdings rührt dieses Zähneknirschen öfter einmal eher von chemischen Substanzen als von Emotionen. Word!

Eure uncoolen Wannabe-DJs Witzig&Kraus

 

 

 

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