Undercover November 2012

Stadtteile, Teil 1

Heute beschäftigen wir uns mal mit Münchner Stadtteilen und deren Eigenheiten; zumindest aus unserer Sicht.


Eine kurze Zusammenfassung der Stadtteile, die wir in den letzten Jahren bewohnt haben: Nordschwabing, Haidhausen, Altstadt, Au, Johanneskirchen, Haidhausen, Haidhausen, Haidhausen. Wie man sieht, hat sich das ganze zum Schluss hin sehr auf Haidhausen konzentriert. Warum? Das kann man unter anderem in der Oktoberausgabe der UNDERCOVER nachlesen; aber gerne auch nochmal zur Erklärung: Weil es sich hier echt gut leben lässt. Die Entfernung zu unseren Arbeitsplätzen hat sich im Zuge der Innenstadtbewegung einiger Clubs so gut wie nicht geändert; die Struktur der Bewohner ebenfalls nicht. Nach wie vor wimmelt es in Haidhausen von militanten Kinderwagenmuttis, die einen instantly verfluchen, wenn man nicht 50 Meter bevor man ihnen begegnet, die Straßenseite wechselt, weil sie sonst ja nicht mehr zu dritt nebeneinander flanieren können. Wenn man es wagt, in einem Café die direkt hinter der Eingangstüre platzierte Sperre aus Bugaboos und Retrokinderwagen zu passieren, erntet man ebenfalls hasserfüllte Blicke. Never mess with the Muttertier. Trotzdem ist Haidhausen mit seinen vielen Sportwettenbüros immer noch ein angenehmer Stadtteil.

Schaut euch Giesing an: Nachdem die Bagger das Puerto Giesing abgerissen und die Stadt unseren Trafokeller illegalisiert hat, ist Giesing wieder nur noch, was es an sich schon immer war: ein blaues Moloch. Da hilft auch die Nähe zur Au nichts.
Au? Ja, der Stadtteil mit der Isar. Da, wo man nicht grillen darf und es in Anbetracht der Scherben auch nicht wirklich will. Woher kommen die Scherben? Na klar, von der Hipsterfront aus dem Glockenbachviertel.
Die brauchen ja auch mal eine Auszeit von den Anti-Gentrifizierungs-Demos an der Glocke oder dem ständigen Widerkäuen des „Willkommen im Viertel, ihr Arschlöcher!“. Also ab auf´s Fixiebike, zum Kiosk an der Reichenbachbrücke. Szenegetränk gekauft und damit dann die an sich schön renaturierten Isarufer vollhipstern, vermüllen und damit uncharmant unattraktiv machen.
Aber bald ist rund um den Gärtnerplatz eh alles Berlin-Mitte und die Skinnyjeansträger hauen dann ab Richtung Maxvorstadt. Da ist es dann nicht weit zur Uni (irgendwas mit Medien); und auch die Dichte an Coffeeshops mit WIFI verspricht ein ungestörtes Arbeiten an „Projekten“.

Schwabing hingegen wird, anders als unser Kumpel Otger Holleschek seit Jahren gebetsmühlenartig wiederholt, nie wieder cool. Wirklich, nie. Glaubt uns. Einzig einige Lichtblicke wie das DeNiro vom Baier Flo oder die Hoffnung, dass bald alle Kinderwagenmuttis dorthin ziehen, lassen Schwabing irgendwie sympathisch wirken.

Weiter im Text mit der Altstadt. Wer einmal direkt am Hofbräuhaus gewohnt hat, weiß, wie es ist, gleichzeitig mitten in München und gar nicht in München zu sein. Das Gleiche kann man auch über Klein-Istanbul zwischen Sonnenstraße und Schwanthalerhöhe sagen. Morgens auf dem Weg zur Arbeit treffen Diskoleiche auf Burka und Rucksacktouri auf Dönerladen. Mittags steht der Verkehr und Abends wird aus den ImportExport-Laden auf einmal eine Shishabar und aus dem Schuhladen der Eingang zur Milchbar.

Bei Lehel und Bogenhausen denken wir sofort an den Mietmarkt. Faszinierend, daß Bogenhausen in den Inseraten immer bis weit hinter die Allianzarena reicht. Und auch die letzte Bruchbude im Lehel ist irgendwie immer ein Loft mit „besonderem Ambiente“.
Doch es gibt etwas, das alle Stadtteile vereint: Keine Parkplätze. Und wenn doch, dann stehen da die einstelligen M-Kennzeichen und das ganze Gschwerl von außerhalb.

To be continued.
Bussibussi, Jens&Jo

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