Undercover im Oktober 2013

Oktober ist’s, und die Wiesn fast vorbei. Die Inselaffen sind wieder zurück auf der Insel,

die Kiwis essen wieder Kiwis aber zum Glück Zuhause. Der nervige Ami ist auch wieder auf seinem Kontinent der, Gott sei Dank, mehrere tausend Kilometer weit entfernt liegt. Unser geliebter Trachtenmogul Angermaier ist dank Wiesnkostümierungszwang wieder einmal um einige Hunderttausend Euro reicher und die Straßenkehrer haben statt Kotze und besoffener Amis nun auch wieder normalen Müll zu kehren. Die Clubs sind aufgrund des Wiesngeldverbrennugseffektes halb leer und irgendwie ist jeder krank. Klar, da kommen Virenstämme auf unsere Germanenstämme zu, denen wir nicht gewachsen sind und sie nicht mal aussprechen können. Und während die Wiesnwirte noch unser Geld zählen fragen wir uns ob es das dieses Mal wirklich wert war.

Hätten wir uns dieses Jahr vielleicht statt mit den Bierpreisen lieber mit der Bundestagswahl beschäftigen sollen? Hätten wir statt in die Geisterbahn zu gehen lieber mal die CSU abwählen sollen? Hätten wir anstatt des 10en Hendls mal lieber ein politisch korrektes Sojaschnitzel essen sollen? (Stichwort veganer Tag)? Hätten wir, statt uns mit Autoscooterproleten zu prügeln, vielleicht auch die andere Wange hinhalten sollen? Ist es traditionell, wenn die Schlachthofbronx auf der „Oiden Wiesn“ auflegt? Sind schwarze Löcher nur eine Erfindung von Zukunftsromanliteraten?

 

Wer kann das schon sagen? Wir können es. Die Antwort lautet NEIN.

 

Schwarze Löcher gibt es nämlich wirklich und bei den anderen Fragen sind wir uns nicht sicher. Übrigens: die Leser, welche bei dem Begriff „schwarzes Loch“ gelacht haben, haben bestimmt auch damals in der Schule schon gelacht als es hieß: „…und der Ritter zog sein Schwert aus der Scheide“.

Aber mei, ein Depp ist ein Depp. Nach sieben Maß immer noch ein Depp und nüchtern eh ein Volldepp.

Naja, wir haben das Thema Wahl zwar schon angeschnitten, aber da wir eine Nachtleben-Kolumne schreiben überlassen wir das eigentlich lieber den Kollegen der Politikjournaille, die davon wesentlich mehr Ahnung haben. Wir erwarten ja auch nicht dass Ulrich Deppendorf (ja, der heißt so) einen ZDF Beitrag über Dubstep moderiert. Oder das Anne Will (ja die heißt so) darüber diskutiert, ob EDM der Tod der Clubmusik ist und warum der moderne Deep House immer langsamer wird. So etwas wie ein Nachruf auf Marcel Reich Ranicki verbittet sich für uns Boulevardnightlife-Cretins sowieso. Der gute Mann würde im Grab rotieren falls er eine unserer Kolumnen zu lesen bekäme.

 

Bleibt also nur unser Kerngeschäft Nachtlebengossip.

 

Da hat München immer wieder Überraschungen parat. Während ein schon totgesagter Laden wie „Jakob Hase“ (Name wurde von den Redaktion geändert und durch ein Pseudonym ersetzt) nach anfänglicher Schwäche richtig durchstartet, macht derzeit ein durchaus partyerprobtes und riesiges Diskothekengemäuer im Münchner Osten – Stichwort Knödelfabrik – auf seine alten Tage noch mal so richtig Schlagzeilen. Erst wird Insolvenz angemeldet, dann wird ein internationaler Superstar DJ gebucht und fett beworben und schließlich weiß wieder keiner was denn nun Sache ist. (Die Ausnahme hiervon ist der geschätzte Leser dieses Magazins, hier steht das nämlich drin. Aber Hand aufs Herz, wir können gar nicht lesen und wissen es daher auch nicht so genau.) Aus Hinz und Kunz (Name wurde von der Redaktion geändert und durch ein Pseudonym ersetzt) wird Chamäleon (dieser Name wurde ebenfalls ersetzt). Die selben Betreiber aber alles neu, selber Laden aber alles neu, aber gaaaanz anders als vorher und alles neu. Und was mit der Klangwelt ist weiß mittlerweile keiner mehr so genau. Uns kommt´s so vor, als wäre die Großbaustelle zuerst in 25 Splitterclubs aufgeteilt worden und für jede in München mit mindestens 25 Bewohnern vorhandene Nationalität ein separater Club eröffnet worden. Und dann hatte das „Istanbul“ Stress mit den Jungs vom „Bagdad“; und schließlich sind die Jungs vom „Bukarest“ ins „Budapest“ reingelaufen und haben den Laden zerlegt, weil die Veranstalter wohl heimlich im „Warschau“ eine Hiphop Party gemacht haben, und Hiphop läuft in dieser Stadt nur in ausgewählten Läden, oida.

 

Dabei gibt es in unserer schönen Stadt doch eigentlich keinen Grund zum streiten! Schaut euch doch einfach das Willenlos an: wenn einfach alle potentiellen Gäste einer Altergruppe an einem bestimmten Wochentag in die gleiche Diskothek gehen („weil da ist es so schön voll“), dann machen einfach alle anderen Läden in der direkten Nachbarschaft heimlich auch auf und sammeln die Reste ein. Win-win-win Situation; sogar für die an der sowieso schon sehr kulanten Tür abgewiesenen Nachtschwärmer: in dieser Stadt gibt´s auch für die letzten Gäste noch einen dankbaren Wirt. Und außerdem haben wir ja immer noch ein paar „Tür-auf-alle-rein-Tür-zu-Hallen“. Und auch größere Junggesellenabschiede mit

35 Mann in lustigen Kostümen werden noch nicht in allen Biergärten abgewiesen. Und ist die Wiesn eigentlich auch nichts anderes als ein JGA mit 25.000.000 Gästen und Kostümpflicht?

 

Aber es gibt noch immer eine unverrückbare Konstante: Witzig & Kraus sind immer noch die besten DJs und Kolumnisten des Universums und jedes seiner Parelleluniversen, falls es solche geben sollte. Global aktiv, interaktiv und zuweilen extrem fahrlässig. Immer auf der Hut die Klippe des guten Geschmacks zu umsegeln um schließlich wieder in den Heimathafen des Irrsinns einzulaufen.

 

 

Falls euch diese Kolumne etwas wirr vorkommt denkt euch nichts, uns auch. Wiesnbier macht blöd.

 

In diesem Sinne,

 

Jens und Jo

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