Undercover im Juli

Sommer im Millionendorf

 

Sommer ist ja im Gegensatz zu Herbst und Frühling eine richtige Jahreszeit, weil man weiss, dass kurze Hosen und T-Shirt angesagt sind und nicht dieses „Meinste – ich – muss – eine – Jacke – mitnehmen – Dingens“; und dann wird das Wetter eh wieder das Gegenteil von dem was man angezogen hat. Ihr wisst was wir meinen.

Und während wir diese Zeilen schreiben, sitzen wir in einem Ostseebad und von Sommer keine Spur. Klar, man kann an der Ostsee genauso wenig von einem konstanten Sommer ausgehen wie die Kultfabrik von einem konstant bumsvollen Wochenende. Und auch eine weitere Gemeinsamkeit mit der ehemaligen Protestzentrale zum G8-Gipfel 2007 und der ehemaligen Ausgehmeile Nummer Eins können wir hier entdecken: es wird einem relativ schnell arschfad und man will wieder heim. Und das obwohl hier oben das Wetter abwechslungsreicher ist als so manches Kultfabrik-DJ-Set. Behaupten wir mal so – nicht dass unsere DJ Sets jetzt sooo viel abwechslungsreicher wären. Wobei: ähm, doch.

 

Irgendwann sehen dann hoffentlich auch die Macher dieses Geländes ein, dass Kult entsteht und man ihn nicht fabrizieren kann. Da hängt wohl noch der Geist der Knödelteigs in den Fabrikhallen bzw. der Clubs rum.

 

Zurück zum Sommer: dann kommt eh jedes Jahr wieder die Erkenntnis, dass der Sommer in München einfach superdufte ist und es keinen Grund gibt unsere superdufte Superstadt zu verlassen… immerhin haben wir die Isar mit Grillverbot, eine Innenstadt mit Rotplakettenverbot sowie bald Tempo30; ständig überfüllte Biergärten und eine Invasion kinderwagenschiebender Hippiemütter in Haidhausen und dem Schlachthofviertel. Ganz ehrlich: in Köln darf wirklich überall gegrillt werden und keiner ruft gleich die Polizei wenn die ganze Stadt mit Einweggrills vermüllt ist und an jeder Ecke regenbogenbeflaggte Kölschtrinker Ihre verkohlten Würsten herzeigen ähm liegenlassen.

 

Hingegen in München, da ist alles Disneyhaft sauber und weiss-blau-kariert aufgeräumt. Bei jeder Zigarette die man sich an der Isar anzündet schauen gleich 3-4 argwöhnische Securitygorillas ob man nicht doch einen Taschengrill anzünden will; aber dafür kann jeder Vollprolet seine drecks Scherben liegenlassen und keiner hat´s gesehen. Trotzdem ist die Isar immer noch geiler als die blöde Elbe in Köln und Düsseldorf. Dafür haben wir ne Surfwelle mitten in der Stadt. Darüber muss man zwar nicht gleich einen Kinofilm drehen, aber immerhin bietet sich uns so ein dankbar Kalauer mit „eine riesen Welle machen“ machen an; aber damit verschon wir Euch heute mal.

 

Bleiben die Biergärten, Münchens Lichtblick in Sachen Erholung, zumindest unter der Woche vormittags, also am DJ-Wochenende. Besonders positiv aufgefallen ist uns vor allem ein Biergartenwirt, der seine Gäste mit folgendem Hinweis begrüßt:

„An alle Nichtraucher: Bitte gehen sie IN das Lokal, immerhin haben sie dafür gestimmt.“

Humor haben sie, die Biergartenwirte. Bei den heutigen Bierpreisen hätten wir allerdings ebenfalls chronisch gute Laune, wenn wir Biergartenwirte wären. Sind wir aber nicht; und als Kolumnisten und Halligalli-DJs muss man sich das Warm-Up-Radler verkneifen und gleich die scharfe Mass trinken, sonst endet das Budget noch vor dem Verstand und dann könnte man ja gleich daheim bleiben.

Wie man sieht: Es gibt nur wenige Gründe, München im Sommer zu verlassen, denn die münchner Sommer sind die schönsten Sommer Münchens.

 

Bis bald dann; wir machen erstmal Urlaub in Bad Bangkok.

 

P.S.: Danke, liebe ARD, dass Du uns vom Marienhof erlöst hast. Und jetzt schick bitte noch den Opdenhövel in die Wüste, dann zahlen wir auch wieder GEZ.

 

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