Undercover im August

Wenn jemand von der Hand in den Mund lebt, ist er entweder DJ oder Zahnarzt. Dieses wunderbare Sprichwort passt beim Verfassen dieser Kolumne wie die Faust aufs Auge bzw. wie die Plombe in den Backenzahn. Während nämlich der Jo Kraus gerade einen Wochenurlaub beim Zahnarzt und Implantologen macht, um diesen wiederum mehrere Urlaube irgendwo auf den Seychellen zu finanzieren, sitze ich arme Sau gerade beim einzigen Sonnenstrahl im Juli an der Schreibmaschine um unsere seit Tagen überfällige Kolumne zu schreiben. Und so gerne ich auch mit der Chefredaktion telefoniere; langsam sollte ich dieses Blatt Papier nun auch mal mit infamen Beleidigungen und übler Nachrede füllen. Allein schon, damit die Rechtsabteilung im Verlagshaus an der Bayerstrasse immer was zu tun hat und uns wieder die Hälte aller Pointen wegzensieren kann. Stellt Euch also den nachfolgenden Text um 90% lustiger vor.

 

Fangen wir also nochmal ganz oben an: DJs sind gerne mal pleite, und Zahnätze gerne mal nicht, weil sie sich von diesen ganzen Musikern und Nachtschwärmern ernähren. Wie das geht? Erst wurde einem als Kind der ganze Mund mit hässlichen Amalgamfüllungen im Kieferbereich verhunzt. Anschließend gibts in der Jugend ein paar fiese Sitzungen mit viel Bohren und Schmerzen, was dazu führt, das man bis in die frühen Dreißiger eine ausgewachsene Zahnarztphobie hat und immer die Straßenseite wechselt, wenn man an einer Zahnarztpraxis vorbeikommt. Ibuprofen macht eine schmerzfreie Lebenphase möglich. Und dann, so mit Mitte Dreißig, dann bröckeln die armen von Alkohol und Drogen geschundenen Musikerzähne derart auseinander, daß man nun doch schlussendlich seinen Gang nach Canossa zum Kerkermeister in Weiß geht. Und mit der darauf folgenden Mammutbehandlung kauft sich der Herr Doktor einen Porsche und wir armen Musiker nehmen ein paar Kredite auf, worüber sich dann auch noch die Finanzberater freuen. Quasi eine Win-Win-Win-Situation auf Kosten der sowieso schon vom Leben gebeutelten Musiker und Freigeister. Und wenn ihr in nächster Zeit dem Jo Kraus begegnet, dann erfreut euch an seiner vier Töne zu hellen Stefan-Raab-Kauleiste. Da sieht man wenigstens auch im dunklen Club wohin man schlagen muss, wenn er mit mir zusammen wieder ganz üble Musik spielt.

 

Nächstes Thema: Sommerloch. Während im Juli gleich ein ganzes Feuerwerk guter Events abgefeuert wurde (wir sagen nur Isarrauschen, Greenfields, Isle of Summer, 2 Jahre Hyper, Guetta, CSD, Cavos Sommerfest, P1 Sommerfest, etc.), scheint der August wieder in die alljährliche Sommerflaute zu verfallen. Sicher, hier und da gibts bestimmt ein nettes Event, an dem man sich wie im Juli bei Regen und 12° den Arsch abfrieren kann, aber irgendwie fällt im August die ganze Stadt immer in einen kollektiven Prä-Wiesn-Schönheitsschlaf. Etliche Baustellen legen den Verkehr lahm, etliche Idioten ruinieren die Isarufer mit Scherben und zurückgelassenen Einweggrills und die allermeisten sind irgendwo im Urlaub. Wo auch immer alle sind; in den Clubs sind sie jedenfalls nicht. Klar, da ist es auch meistens zu warm. Oder draußen zu kalt um rauszugehen. Weil wenn wir Münchner eines können, dann ist es über das Wetter zu meckern. Das klappt in anderen Städten irgendwie besser, das mit der Ausgehfreude auch bei widrigen Bedingungen. Gut, in vielen deutschen Großstädten gehste ja oft auch nur in den Club, weil der Rest der Stadt so scheiße ist. Welche Stadt wir da jetzt genau meinen, überlassen wir Eurer Phantasie. Nur soviel: Alle außer München.

 

Prost und bis bald im Wartezimmer!

Witzig und der Mann mit der dicken Backe.

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