DJ Equipment, oder: Wie die Industrie das Deejaying veränderte

MP3s verdrängen die Vinyl Industrie, ein Traktor gehört aufs Feld und generell war doch früher sowieso alles besser. Alles schon gehört, alles alte Kamellen. Der Kern dieser Phrasen jedoch ist nicht weit hergeholt. Der DJ von früher kam wochenlang nicht aus seinem Zimmer, übte und mixte bis die Plattenteller rauchten und verbrachte ganze Tage in Plattenläden. Doch die Zeiten, als ein DJ Setup aus einem Mixer, zwei Plattenspielern und unter Umständen noch einem Paar DJ CD Playern bestand, scheinen länger her als ein Erfolg von Axel Schulz. Tatsächlich hat sich die Welt der DJs in den letzten Jahren massiv verändert, und das nicht durch den Klimawandel. Jeder DJ braucht sein entsprechendes DJ Equipment und mit diesem verhält es sich wie mit allen anderen Waren auch. Kostet eine Rolex auf einmal nicht mehr als 100 Euro, dann ist auch jemand mit einer Rolex nicht mehr besonders. -Sollte er das je gewesen sein.

Die digitale Revolution auf dem DJ Markt ging Hand in Hand mit einem Werteverfall innerhalb der Szene. Gab es vor einigen Jahren noch 5% DJs und 95% Publikum, sind heute alleine im Publikum gefühlte 50% ”DJs” vertreten, die sich aufgrund des Besitzes einer DJ Software und dazugehörigem Controller auch stolz als solche Bezeichnen. Aber ganz von vorne.

Rane und Serato machten den Anfang, als man mit Serato Scratch Live und den dazugehörigen Interfaces von Rane ein digitales Vinyl System vorstellte, das Wellen schlagen sollte wie ein Tsunami. Platten schleppen gehörte auf einmal der Vergangenheit an, man benötigte nur noch einen Laptop, das Interface und Timecode Vinyls. Timecode Vinyls sind dabei sozusagen die moralische Versicherung. Man spielt im Grunde digital; effektiv verhält sich aber alles so als spiele man immer noch mit “echtem” Vinyl. Soweit, so gut. Die eigentliche Kritik der alteingesessenen Vinyl-Heads, die gefühlt immer noch mit Walkman statt MP3-Player in der U-Bahn sitzen, fängt woanders an.

Im Windschatten des Siegeszuges der digitalen Vinyl Systeme wie Serato, Traktor oder Spin fing die Industrie an, auf DJ Softwares ausgelegte Controller auf den Markt zu werfen. Diese Controller machen (laut den bereits erwähnten Pastafari-Vinylheads) sowohl Mixer, als auch Plattenspieler, CD-Player, Timecode Vinyls und CDs, Übung und Integrität überflüssig, weil sie dem User fast alle Arbeit abnehmen können, die da wäre. Gleichzeitig handelt es sich dabei um eine Anzahl günstig zu habender Controller, die sich vielleicht noch an den Händen einer nordkoreanischen Militärparade abzählen lässt. Sicherlich ist nichts falsch daran, für günstige Preise Software Controller zu verkaufen und zu kaufen, allerdings sollte sich der User doch vielleicht immer noch die Arbeit machen, sich gewisse Fundamentals des Deejayings anzueignen. Man würde den Burgerbrater seines Vertrauens auch nicht mit einem Kugelfisch in der Küche alleine lassen. Oder wie ein befreundeter DJ mir einst sagte: “Mach es wie du willst, aber mach es richtig”.

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